DANi SCHNIDER RADSPORT

Erfahrung aus 10 Jahren Profisport

Trainieren, pulskontrolliert.

aaaphoto colorful drawing3smallPulsbereiche für Grundlagenausdauer, Entwicklungsbereich und hoher, sowie höchster Bereich. Dies kennen die meisten von uns. Doch.. hie und da und immer öfter hört man von WATT-Training, oder „watt-gesteuertem“ Training. Fast alle Profis tun es. Viele ehrgeizige Hobbyfahrer auch. Aber nun scheint die Wattmessung sich auch im Breitensport immer mehr durchzusetzen.

 

Warum? Was ist am guten alten Pulsmesser nicht mehr gut genug?

Gucken wir einmal dahinter, schliesslich ist der Winter die ideale Zeit um sich mit diesem Thema vertraut zu machen. Also, welchen Nutzen bringt uns ein Wattmesser, welche Vorteile und welche Nachteile hat ein wattgesteuertes gegenüber dem pulsgesteuerten Training? Für wen macht dies Sinn? Wie misst man die „WATT“, und welche Bedeutung haben die Watt überhaupt?

Herzfrequenz

Verdammt.... Es läuft nicht. Egal wie oft du die Welle auf der Hausrunde hochfährst und egal wie du sie angehst... – deine Reifen scheinen wie angeklebt.


Dabei sieht sie nach gar nach nichts aus, diese hinterlistige gemeine Steigung, die eigentlich nicht mal eine wirklich richtige Steigung ist... eine leichte Welle eher...
Doch egal wie du es angehst. Mit Schwung, hoher Trittfrequenz, immer schön hinunterschaltend, oder -ganz anders- mit zusammengebissenen Zähnen, roher Kraft und viel eisernem Willen, nach dem Motto –diesem Fiesling zeige ich es!- ... .. nun... egal wie... schon bald drehen die Beine weder wie ein Uhrwerk, noch kraftvoll rhythmisch, sondern eher wie ein Löffel in einem immer zäher werdenden Brei, ruckartig und langsam. Hinunterschalten im Sekundentakt ist und wird immer wirkungsloser, der Brei lässt sich einfach nicht verflüssigen, derweil das Herz rast und fast durch den Brustkorb springt. Auf den Geschwindigkeitsmesser wagt man kaum zu gucken und die erlösende Kuppe ist zwar nur wenige 100 Meter, aber eine gefühlte und demütigende Ewigkeit weit weg. Und dort angekommen ist dann die Luft so richtig draussen. Die Arbeitsgeräte verweigern ihren Dienst und wollen in der leichten Abfahrt einfach nur noch hängen während man den Mund weit offen förmlich nach Luft japst.

 

Nicht in Form?
Schwer zu sagen. Weder die gefühlte Anstrengung noch der Tacho werden das verraten können. Rücken- oder Gegenwind, Bodenbeschaffenheit, Kleidung und Temperatur oder auch der Reifendruck, machen es unmöglich Vergleiche anzustellen und von der gefühlten Anstrengung und/oder Geschwindigkeit auf die jeweilige Fitness oder Leistung zu schliessen.
Selbst der Trainingspartner ist kein zuverlässiger Gradmesser: der ist zwar heute scheinbar leichtfüssig davongefahren, aber was du nicht wusstest: er war gerade in Höchstform, ausserdem topmotiviert und hat sich zudem fast bis zum Umfallen auskotzen wollen und können.

 

Natürlich widerspiegelt die Herzfrequenz den Grad der Anstrengung und darum fährt auch fast jeder mit einem Pulsgurt und entsprechendem Gerät herum. Doch die Herzfrequenz ist eine launische Grösse und zudem hat sie nicht 1:1 etwas mit Fitness zu tun. 
Wer kennt sie nicht, die Tage, an denen man den „Puls überhaupt nicht hoch bringt" und zwar gefühlt schlecht aber trotzdem gemäss Tacho recht „zügig" unterwegs ist? Während an anderen Tagen eine zwar zügig aber nicht übermässig schnell gefahrene Strecke den Puls ins Nirvana befördert, ohne dass man sich notwendigerweise da befindet?

Fakt ist, dass die Herzfrequenz von verschiedenen Faktoren abhängig ist und dass dies natürlich zu berücksichtigen ist, wenn das Training um die –z.b. durch einen Laktatstufentest oder einen Conconi-Test bestimmten Bereiche- herum plant (was mit etwas Erfahrung und Gespür durchaus möglich ist).

 

Welches sind denn die Einfluss- respektive die „Störfaktoren"?
Hier ein paar Beispiele:

  • die Herzfrequenz hängt natürlich von der „verlangten" Leistung im Hinblick auf die mobilisierbaren Energielieferanten ab:
  • Bei gleichbleibender Leistung geht die Herzfrequenz hoch, wenn die Kohlehydratspeicher zusehends leer werden. Grund ist, dass Fett mehr Sauerstoff zur Verbrennung benötigt. Dadurch muss mehr Sauerstoff in die arbeitende Muskulatur transportiert werden. Dies ist nur mit einem erhöhten Blutfluss, sprich erhöhten Herzfrequenz möglich.
  • Eine typische Situation im Training wäre diese: Training ohne Kohlehydratzufuhr unterhalb der anaeroben Schwelle. Trotz konstanter Leistung geht der Puls langsam hoch und man verlässt unter Umständen den empfohlenen „Trainingsbereich" ohne dass dies von der Trainingsintensität her (Leistung) her „notwendig" wäre.
  • die Herzfrequenz hängt ist von der Temperatur abhängig: Schwitzen erfordert einen erhöhten Blutfluss in der Haut. Wird der Blutfluss in der arbeitenden Muskulatur konstant gehalten, muss die Herzfrequenz steigen (Trainingssituation wie oben, v.a. beim Indoor-Training)
  • Dehydrierung: Ist zu wenig Flüssigkeit im Körper, wird das Blut „dickflüssig". Der Transport von Sauerstoff, Energielieferanten, Elektrolyten und Enzymen zum Ort des Geschehens, wie auch der Abtransport der Abfallprodukte sind verlangsamt. Soll die Leistung gleich bleiben, muss die Herzfrequenz erhöht werden.
  • die Herzfrequenz hängt vom Aktivitätszustand des Körpers abhängig: Unter einem Adrenalinschub hat man bekanntlich einen höheren Puls. Ähnlich reagiert der Puls (bei Empfindlichen) unter Einfluss von Koffein. 
    Nach einer Ruhephase (1-2 Tage kein Training") lässt sich der Körper ganz speziell gut aktivieren. Hohe Pulswerte sind dann ganz normal.
    Bei längeren Trainingszyklen ohne Ruhephasen gewöhnt sich der Körper einerseits an die aktivierenden Reize, andererseits werden die aktivierenden Signalstoffe sparsamer ausgeschüttet oder gehen langsam zur Neige: „Man bringt den Puls nicht mehr hoch".
  • Ein weiterer „Störfaktor" für das Training, speziell beim Intervalltraining ist, dass die Herzfrequenz langsam (zu langsam) reagiert: Erhöht man die Leistung sprunghaft, hinkt die Herzfrequenz hinterher. Trainiert man nach „Herzfrequenzbereich" so ist allenfalls die Leistung zu Beginn eines Belastungsintervalls viel zu hoch und anschliessend zu tief. Sinnvolle gesteuerte Intervalle lassen sich so fast nicht fahren, bei längeren Intervallen ist der Effekt zwar deutlich sichtbar, aber natürlich weniger störend.